Das Styropor (Polystyrol) löst sich unter Zischen im Essigsäureethylester. Es verliert dabei seine Struktur und Farbe und nimmt weniger Raum ein. Es entsteht eine dicke, zähe und klare Maße.
Trägt man diese Maße auf ein Papier auf und faltet dieses, ist nach einiger Zeit ein Zusammenkleben des Papiers zu bemerken. Wie sich z.B. Salz in Wasser löst, so löst sich das Styropor in dem Essigsäureethylester. Der Essigsäureethylester ist ein organisches Lösungsmittel.
Unter einem Lösungsmittel (auch als Lösemittel bezeichnet) versteht man eine Flüssigkeit, die Gase, andere Flüssigkeiten oder Feststoffe lösen kann, ohne dass es dabei zu chemischen Reaktionen zwischen gelöstem Stoff und lösender Flüssigkeit kommt. Das Lösen ist also, entgegen häufig geäußerter Meinungen, ein rein physikalischer Vorgang.
Polare Stoffe (z.B. Salze) lösen sich sehr gut in polaren Lösungsmitteln (z.B. Wasser). Unpolare Stoffe lösen sich sehr gut in unpolaren Lösungsmitteln.
In diesem Versuch zeigt sich der zweite Satz: Das unpolare Polystyrol löst sich im unpolaren Essigsäureethylester (Ethylacetat). Das geringere Volumen des Polystyrols nach dem Lösen lässt sich auf das Aufbrechen der aufgeschäumten Strukturen beim Lösungsvorgang zurückführen (Styropor enthält große Mengen Luft).
Der Essigsäureethylester siedet bei 77°C, er verdunstet aber auch bei Raumtemperatur noch ziemlich schnell. Ohne das Lösungsmittel gewinnt das Polystyrol seine feste Struktur wieder. Dabei kann es an das umgebende Materialien binden. Diesen Umstand macht man sich bei der Entwicklung von Klebstoffen zu Nutze. Essigsäureethylester ist ein gängiges Lösungsmittel in Klebstoffen.
Durch sein Verdunsten gewinnt der in ihm gelöste Stoff seine Härte zurück und wird fest. Damit dürfte auch die Frage beantwortet sein, warum der Klebstoff nicht schon in der Tube klebt - dort kann der Essigsäureethylester nicht verdunsten!
Essigester, wie der Stoff auch genannt wird, riecht übrigens nicht nur fruchtig, sondern führt auch, in größeren Mengen eingeatmet, zu teilweise schweren hirnschäden. Also: Finger weg vom Klebstoff-Schnüffeln!