Ein Springbrunnen aus Chlorwasserstoff, klingt sehr extravagant oder? Genau genommen sprudelt im folgenden Experiment, die Salzsäure. Salzsäure ist die wässrige Lösung des Chlorwasserstoffs.
In diesem Zusammenhang etwas fortgeschrittene Säure/Base-Theorie gefällig?
Der Säure/Base-Begriff ist im Laufe der Geschichte stetig neu verfasst und erweitert worden. Ursprünglich stammt der Begriff Säure vom sauren Geschmack saurer Speisen und Getränke. A.L. de Lavoisier postulierte im 18. Jahrhundert (neben anderen, teils fundamentalen Gesetzmäßigkeiten), dass alle Säuren einen Stoff gemein hätten, den Sauerstoff. So kam zwar der Sauerstoff zu seinem Namen, die Theorie wurde aber schnell widerlegt.
Justus Liebig definierte Säuren 1838 als Stoffe, die Wasserstoff enthalten, da er in Reaktionen von Säuren mit Metallen Wasserstoff als Reaktionsprodukt entdeckt hatte. Diese Definition können wir schon auf unseren Chlorwasserstoff anwenden; er enthält Wasserstoff. Passenderweise wird er, in Wasser gelöst, ja auch als Salzsäure bezeichnet.
Eine genauere Definition entwickelte Svante Arrhenius, ein schwedischer Chemiker und Physiker. Säuren sind nach ihm Wasserstoffverbindungen, die in wässriger Lösung Wasserstoffionen (H+) liefern. Basen sind Verbindungen, die in wässriger Lösung Hydroxidionen (OH-) liefern. Das Entstehen dieser Ionen verstand man als Zerfall von Molekülen.
Johannes Nicolaus Brønsted, ein dänischer Chemiker und Künstler, erweiterte die Definition der Säuren und Basen von Arrhenius, da einige Stoffe sich nicht nach diesen Vorgaben einordnen ließen. Nach Brønsted sind Säuren Stoffe, die Protonen abgeben können (Protonendonatoren = Protonenspender), Basen sind Stoffe, die Protonen aufnehmen können (Protonenakzeptoren = Protonenempfänger).
Daraus folgt aber im Umkehrschluß auch, dass aus einer Säure (nehmen wir wieder unser HCl), die ihr Proton abgibt eine Base wird (Cl-), die nun selber wieder Protonen aufnehmen kann. Jede Base (etwa der Ammoniak: NH3) kann Protonen aufnehmen und wird zur Säure (NH4+). Säuren und Basen bilden also Paare. Gerade das Beispiel des Ammoniaks hatte bei Arrhenius zur Diskussion geführt. Es enthält keine Hydroxidionen, reagiert aber in Wasser nachweisbar als Base. Brønsteds Definition klärt auf:
Das Hydroxid, das Arrhenius postuliert hatte, entsteht als "Abfallprodukt" der Protonenaufnahme des Ammoniaks. Es wird dem umgebenden Wasser geradezu geklaut, ein Hydroxidion bleibt zurück.
Das war nun aber schon ein sehr umfangreicher Einstieg in die Säuren und Basen. Es ist Zeit sich dem sinnlichen Erlebnis der Säure/Base-Reaktion des Wassers mit Chlorwasserstoff zu zuwenden.



