Alle Lösungen färben sich blau/violett. Wichtigster Ausgangspunkt ist das Reagenzglas mit der Stärkelösung, die sich, wie die Lösungen in den anderen Reagenzgläsern, blau färbt.
Hierraus kann man schließen, dass:
1) Stärke mit Iod eine Verbindung eingeht, die violett/blau erscheint.
2) In den anderen Reagenzgläsern auch Stärke enthalten ist.
Sollte ein Reagenzglasinhalt sich nicht verfärbt haben, kann man durch Anfassen erkennen, dass es wahrscheinlich immer noch ziemlich warm ist. Die Reaktion ist hitzeempfindlich, weshalb die Reagenzgläser auch gekühlt werden mussten.
Lugolsche Iodlösung ist eine Lösung von Iod und Kaliumiodid in Wasser. Wie oben erwähnt, besteht Stärke aus 80% Amylopektin und 20% Amylose. Amylopektin ist schwer in Wasser löslich, die Amylose hingegen ist wasserlöslich, wird aber von Amylopektin umlagert.
Durch Erhitzen wird die Amylose aus ihrer Umgebung gelöst. Beide Moleküle sind Polysaccharide, also langkettige Mehrfachzucker. Amylose hat eine lange spiralförmige (helicale) Struktur, in die sich Iodmoleküle (oder besser: Polyiodidanionen) zu Komplexen einlagern. Man kann sich das wie lange Röhren vorstellen, in die sich das Iod einlagert. Die neue Verbindung/Struktur sorgt, vereinfacht gesagt, für eine andere Farbe - das violett-blau. Die Farbe (blau/violett/schwarz) variiert je nach Menge an Iod in der Lösung.
Wer es wirklich noch genauer haben möchte liest den (schon recht komplizierten) Zusatz:
Will man die blaue Iodstärke noch genauer betrachten so muss man sich mit Polyiodidketten (I5-, I7-, usw.) in der Stärkehelix, auseinandersetzen. Polyiodidketten bestehen schon in der Lugolschen Iodlösung. Dort entstehen sie durch die zugegebenen Iodidionen. Bei Anwesenheit von Iodid lagern sich mehrere Iodmoleküle zu längeren Ketten zusammen und nehmen eines der Iodidionen auf. Jetzt erst ist das Iod wasserlöslich. In diesen Ketten ist die negative Ladung des Iodids über die gesamte Kette delokalisiert, d.h. nicht einem Atom zuzuordnen und in der Kette frei beweglich.
Diese delokalisierten Elektronensysteme lassen sich leicht durch Licht anregen. Sie nehmen Anteile des sichtbaren Lichtes auf und geben andere ab, was wir als Farbe wahrnehmen. In Wasser ist die Farbe dieser Verbindungen braun. In die Stärke-Helix eingebaut, in die diese Polyiodide sehr gut hineinpassen, interagieren sie mit den Hydroxygruppen der Zuckermoleküle, wodurch sie die elektronische Struktur des so entstandenen Komplexes ändert und das Ganze nun nicht mehr leicht braun, sondern intensiv blau ist.